Lexikon Digitale Souveränität

Was ist Vendor Lock-in?

Vendor Lock-in entsteht, wenn Wechsel oder Ausstieg aus einer Software teuer oder praktisch unmöglich wird. Was das für ERP und Mittelstand bedeutet.

Vendor Lock-in bezeichnet Abhängigkeit von einem Anbieter, die Wechsel oder Ausstieg unwirtschaftlich macht. Im ERP-Kontext zählt das: Aufträge, Finanzen, Lager und oft Produktion hängen am System. Wer festhängt, verliert Spielraum bei Preisen, Anpassungen und strategischen Entscheidungen.

Lock-in entsteht selten durch einen einzelnen Vertrag. Typische Hebel: Lizenzmodelle pro Nutzer oder Modul, geschlossene Erweiterungen, proprietäre Datenformate ohne Export, Betrieb nur beim Anbieter, und undokumentierte Anpassungen.

ERP-Systeme sind besonders betroffen, weil sie Kerndaten über Jahre bündeln. Vor der Einführung lohnt die Prüfung:

  • Lassen sich Daten vollständig und maschinenlesbar exportieren?
  • Können Anpassungen von einem anderen Dienstleister weiterbetrieben werden?
  • Was passiert bei Konditionsänderungen oder Modul-Einstellung?

Eine Exit-Strategie ist Risikovorsorge, kein Misstrauen. Export testen, Vertragsklauseln prüfen, Anpassungen dokumentieren.

Offene Plattformen adressieren Lock-in durch Wahlfreiheit bei Betrieb, Betreuung und Erweiterung. Entscheidend ist, ob Quellcode, Daten und Erweiterbarkeit beim Kund*in verbleiben. Vertiefung: Digitale Souveränität und Open Source ERP.

Vendor Lock-in ist eine wirtschaftliche Frage. Geschäftsführung und IT sollten vor Vertragsunterzeichnung klären, welche Abhängigkeiten akzeptabel sind.